Vampire Knight Memories

Mitte 2013 endete in Japan der Shoujo-Bestseller Vampire Knight aus der Feder von Matsuri Hino. Noch im gleichen Jahr begann die Veröffentlichung von zunächst als Specials betitelten sporadischen Zusatzkapiteln, die mittlerweile als Vampire Knight Memories in Serie erscheinen. Nun, etwas über zwei Jahre nach dem deutschsprachigen Erscheinen des 19. und letzten Bands von Vampire Knight im Mai 2015 beginnt auch in Deutschland die Veröffentlichung des jüngsten Ablegers aus dem Vampiruniversum Hinos bei Carlsen Manga. Taucht mit ein in die Schicksale aus und nach dem Millennium, das zwischen dem vorletzten und letzten Kapitel der Vorserie verstrich.

  

Auf dem Höhepunkt des neu entfachten Krieges zwischen Menschen und Vampiren hat Kaname ein großes Opfer erbracht. Tausend Jahre verbrachte er eingeschlossen in einem Sarg aus Eis, ehe er von Yuki, im Austausch gegen ihr eigenes Leben, als Mensch wiedererweckt wird. Ohne jede Erinnerung seiner Selbst, wird er von Yukis Kindern Ai und Ren aufgenommen, die ihm Geschichten aus dem letzten Jahrtausend erzählen. Neben der sich weiterentwickelnden Beziehung von Yuki und Zero werden auch die Schicksale all der anderen Figuren aus ihrem Bekanntenkreis beleuchtet, während Kaname sich seinem neuen Leben entgegen stellt.

Melancholische Fragmente quer durch die Zeit

Originaltitel Vampire Knight Memories
Jahr 2013
Bände 1+ 
Genre Fantasy, Drama, Romantik
Autor Matsuri Hino
Verlag Carlsen Manga (2017)

Ein ganzes Millenium ist viel Material für Geschichten, die erzählt werden wollen. Doch gibt es nicht nur Geschichten aus diesem Millenium zu erzählen. So wie Kaname die Spuren seiner Selbst auflesen muss, musste auch seine Tochter Ai sich durch die Geschichten ihrer Mutter und Bekannten erst ein Bild von formen. Damit kommen auch Geschichten aus der Vergangenheit zu Tage, die in der Vorserie nicht zum Zuge kamen. Die Geschichten springen selbst innerhalb eines Kapitel teilweise quer durch die Zeitachse, aber man kann man sie stets gut einordnen. Als zentrale Hilfslinie dient die komplizierte Beziehung zwischen Yuki und Zero, die sich ausgesprochen langsam entwickelt, da die beiden nun langlebige Vampire sind und schier alle Zeit der Welt besitzen. Doch tickt die Uhr um sie herum gnadenlos weiter. Menschen haben eine deutlich kürzere Lebenserwartung als Vampire. Für Yuki, die als reinblütige Vampirin einer unendlichen Ewigkeit entgegen blickt, gilt das noch viel mehr. Stets streckt der Tod unweigerlich seine Fänge nach allen, die ihr nahe stehen aus. So glücklich die Zeiten auch gewesen sind, die Melancholie der Endlichkeit ist allgegenwärtig, gerade auch, weil alle Geschichten Erinnerungen sind. Unterbrochen wird sie immer mal wieder durch die Rahmenhandlung mit der unbestimmten Zukunft in der Gegenwart, die von Ai, Ren und dem neuen Leben von Kaname erzählt.

Viele verschiedene Schicksale

Vampire Knight hat nicht gerade wenige Figuren. Doch für viele von ihnen ist in der ersten Serie kaum noch richtig Platz. Yuki und Zero, die nun ihre Pflichten als führende Persönlichkeiten in der Vampirwelt bzw. dem Hunterverband nachgehen, verbleiben weiterhin klar als Haupfiguren. Doch in Memories werden auch Nebenfiguren als Hauptfiguren ihres eigenen Lebens ins Rampenlicht gestellt. So findet Yukis beste Freundin Sayori Wakaba mit Aidou Hanabusa eine glückliche Ehe zwischen Mensch und Vampir, ehe sie das Alter dahinrafft. Auch Ruka, ehemals einseitig verliebt in Kaname findet, mit Kain eine neue erfüllte Liebe, während die neugeborene intelligente Ai langsam ihre eigenen Gefühle erst entdecken und mit ihnen ins Reine kommen muss. Im Zusammenspiel mit den willkürlichen Sprüngen gibt es eine ausgefallene Vielfalt an Perspektiven verschiedener Personen zu verschiedenen Zeiten mit unterschiedlicher charakterlicher Reife.

Erster Eindruck:

Das Finale von Vampire Knight hat viele Fans nicht befriedigt. Ich erinnere mich noch gut, wie viele vom letzten Kapitel wie vor den Kopf gestoßen waren, da es wie eine Flucht vor einer nicht richtig durchdachten Handlung erschien. Meinereiner mochte das letzte Kapitel mit seiner dichten melancholischen Atmosphäre schon damals ungemein. Vampire Knight Memories setzt sie nun in Serienform fort, was mich persönlich ausgesprochen freut. Durch die nicht chronologische Erzählweise ist die Reihe bislang auch der Falle entkommen, sich in Kleinigkeiten zu verzetteln. Der Fokus liegt bei all den Erinnerungen auch klar auf der emotionalen Ebene, für das Hino eindeutig ein besseres Händchen bewiesen hat, als eine ausgefeilte Plotentwicklung. So gänzlich ohne neue Handlung kommt die Serie aber langfristig vermutlich auch nicht aus. Langsam, gemächlich, geradezu vorsichtig, aber auch angenehm umgehetzt wird die neue Welt nach dem Jahrtausend aus Sicht von Kaname ertastet; die Erwähnung von Kriegen als auch eine vage Erinnerungen an Yuki lassen erahnen, dass es auch da noch genug Stoff zum erzählen gibt. Ich bin auf jeden Fall gespannt und genieße derweil die Stimmung. Eine ähnlich durchgehend dichte, melancholisch rückblickende, aber dennoch irgendwie optimistische Atmosphäre, habe ich anderweitig bislang nur in Ichigo Takanos Orange erlebt. Vampire Knight Memories gefällt mir sogar noch etwas besser, denn durch das Setting der langlebigen Vampire und der erzählerischen Zeitsprünge ist kein unerklärtes Zeitreisekonstrukt als Plotdevice von Nöten. Der erwachsen gewordene Cast hat ebenfalls durch die Bank die Nase vorn. Von Ai, der einzigen Kindfigur bislang, ganz zu schweigen. Sie rockt sie alle weg. Wie viel besser wäre die Vorserie wohl gewesen, wäre sie anstelle ihrer trottelig bis teilweise erbärmlichen Mutter die Hauptfigur der Vorserie gewesen.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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Alva Sangai
Redakteur

Ich habe die Hauptreihe immer noch nicht komplett. Leider ging es im Verlauf der Serie ziemlich bergab. Ich glaub so ab Band 10. Werde die Serie nur wegen Zero und manchen Nebencharakteren zu Ende sammeln und daher auch Memories zur Vervollständigung holen. Die Entwicklung zwischen Sayori und Aidou gefällt mir. Kaname ging mir die ganze Zeit echt auf den Nerv. Hätte den Manga am liebsten angezündet. Ja, ich hasse ihn.

Taria
Redakteur

Habe die Serie auch pausiert, zumindest das Lesen. Die Bände habe ich daheim, fand sie damals etwas zu anstrengend. Irgendwann werde ich mich mal überwinden, weiterzulesen. Auch wenn ich jetzt schon ein Grauen davor habe, da mir Zero und seine Art auf den Keks geht. Nur getoppt von Yuki, die hat eigentlich gar keinen verdient. Mir wäre es lieber gewesen, wenn Matsuri Hino sich komplett einer neuen Serie gewidmet hätte.

Alva Sangai
Redakteur

Yuki mochte ich am Anfang der Serie, aber später ging sie mir auch nur noch auf die nerven. Hast Recht, eigentlich hat sie keinen verdient.