Final Fantasy XII: The Zodiac Age

Lesezeit: 5 Minuten

Just spendierte der Publisher Square Enix Nintendo Switch-Besitzern mit Final Fantasy XII: The Zodiac Age am 30. April 2019 das HD-Remaster des letzten Teils der Final Fantasy-Reihe aus der Playstation 2-Ära. Ein für die Reihe ungewöhnliches Spiel, das mit vielen bekannten Aspekten seiner Vorgänger brach, den Spielern aber damit eine gänzlich neu interpretierte Welt des Final Fantasy-Franchise eröffnete, bekam somit endlich seine verdiente Neuauflage. Nicht nur Grafik und Ton wurden aktualisiert, um die Vorteile neuer Hardware zu nutzen, auch das Kernspieldesign wurde optimiert, um eine Evolution des originalen FFXII für die derzeitige Generation zu produzieren.

Zwei Jahre sind seit dem Krieg vergangen, in dem das weitläufige und militaristische arcadianische Imperium das Königreich von Dalmasca vernichtete … Vaan, ein junger Mann, der seine Familie in den Flammen des Krieges verlor, lebt stoisch in der besetzten Stadt von Rabanastre vor sich hin, während er von einem Leben in Freiheit und einem Dasein als Luftpirat träumt. Prinzessin Ashe, die letzte Überlebende der dalmascanischen Königsfamilie, schwört Rache gegen das Imperium und führt im Geheimen den Widerstand an, in der Hoffnung, ihr Heimatland wiederaufzubauen. Diese zwei Helden kommen in dieser chaotischen Zeit zusammen und ihre Hoffnungen und Träume werden die Schicksale der Menschen vereinen und den Verlauf der Geschichte der Nationen verändern.

Mehr Handlung als Charakter

Originaltitel Final Fantasy XII
Jahr 2007, 2017, 2019
Plattform Playstation 2, Playstation 4, PC, Nintendo Switch
Genre Rollenspiel
Entwickler Square Enix
Publisher Square Enix
Spieler 1
USK

Man gerät als unbedeutender Straßenjunge Vaan, der das Imperium von Archadia über alles verachtet, in Ereignisse, die bald nicht mehr nur die eigene Rache für den Tod seines Bruders Reks betreffen, sondern Dreh- und Angelpunkt in dem Konfikt der vorherrschenden Reiche werden. Hierbei schließen sich ihm nach und nach Charaktere an, die ihn, jeder durch eigene Beweggründe, mal kurz mal länger, auf seinem Weg begleiten. Die Handlung wird hier teilweise wie in einem Historienbuch erzählt und lässt vor allem die Welt – wesentlich mehr als die Figuren selbst – lebendig werden. Da die Geschichte sehr politisch ist, statt den Fokus auf die einzelnen Charakterdramen zu legen, mag es zwar Fans eines Final Fantasy X möglicherweise nicht ganz zufriedenstellen, aber die Präsentation und die Spannung der Handlung vermögen es letztlich doch, die Erzählweise dieses Spiels unterhaltsam zu übermitteln.

Alles neu

Die Grafik wurde zeitgemäß überarbeitet, die Filmsequenzen auf ein ansehnliches Maß hochskaliert, sowie deren zuvor störende schwarze Balken zu allen Seiten des Bildschirms entfernt. Die Charaktermodelle sowie große Teile der Welt haben schärfere Texturen spendiert bekommen und wo das nicht möglich war, hat man mit Effekten zumindest pittoreske Eindrücke geschaffen und mit gestochen scharfen 3D-Effekten die Körnigkeit von Böden und Wänden der von steinernen Fundamenten durchzogenen Welt von Ivalice ganz neu dargestellt. Dies ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack und es kaschiert auch nur die vermatschten Texturen, die zwar nicht schwammig, dafür aber verschmiert daherkommen, man gewöhnt sich aber daran. Da die Vorlagen aus dem Originalspiel vielleicht keine besseren Qualitäten ermöglichten, lässt sich damit durchaus klar kommen. Das Wegfallen das Piratennestes, eines kleinen, possierlichen Trophäenraumes im Final Fantasy Tactics Stil, ist allerdings etwas ärgerlich. Die Trophäen, welche für Playstation Spiele seit 2008 ohnehin Pflicht sind, wirken eher wie eine Ausrede dafür, dass man die recht schlichte 2-D Grafik wohl nicht so leicht angemessen großziehen konnte. Am meisten von Änderungen betroffen war allerdings der Originalsoundtrack. Einige Tracks sind kaum noch wiederzuerkennen, dabei allerdings nicht unbedingt schlechter oder besser, sondern ungewohnt anders im Vergleich zu ihrem jeweiligen Pendant von damals. Die reine Klangqualität hat sich allerdings unbestreitbar verbessert. Der bereits damals orchestral klingende Soundtrack erklingt nun endlich in einer Qualität, die man sonst zumeist nur von Konzerten zu Videospielmusik kennt.

Dem Namen alle Ehre

Namensgebend ist das Zodiac Age System, bei allen Änderungen doch der größte neue Akzent, den das Spiel nun in den Westen eingeführt hat – am 9. August 2007 wurde das Skillsystem mit einem Re-Release als „Final Fantasy XII International Zodiac Job System“ bereits in Japan herausgebracht. Statt die Fähigkeiten jedes einzelnen Charakters mit, im Kampf gewonnenen, Lizenzpunkten (LP) beliebig auf dem Lizenzbrett entwickeln zu können (wobei sich lediglich der Startpunkt der Charaktere unterscheidet) ist es nun notwendig, zunächst eine Jobklasse festzulegen, worauf man ein einzigartiges Felderbrett mit LP nach und nach freikaufen muss. Dadurch sind nun die Charaktere gen Ende keine austauschbaren Alleskönner mehr, jedoch geht auch die Flexibilität verloren. Einmal entschieden, immer festgelegt. Doch dafür ist das jeweilige Brett auch genauer auf die Bedürfnisse der Klasse zugeschnitten, verskillen dürfte damit nicht mehr so leicht sein. Zudem stehen jedem Charakter zwei Lizenzbretter zu, diese sind nach der Wahl dann aber für alle anderen gesperrt.

Charmante Scharmützel

Ein ausgeklügeltes Kampfsystem darf natürlich in einem Final Fantasy nicht fehlen. Da man optionalerweise alle Kampfmitglieder, selbst den aktuellen und frei wählbaren Truppenführer, mit Gambit-Befehlen automatisch agieren lassen kann, lassen sich die Kämpfe im Vorfeld bereits taktisch planen. Dennoch ist es jederzeit möglich, mit eigenen Befehlseingaben jeden Charakter einzelne Aktionen ausführen zu lassen. Diese Aktionen müssen zuerst allerdings auf dem Lizenzbrett freigeschaltet und bei einem Händler in der Welt gekauft werden, dies gilt sowohl für Zauber wie auch alle Techniken. Auch das Tragen von Ausrüstungsgegenständen und Waffen muss neben dem Erwerb der Gegenstände selber freigeschaltet werden. Im Kampf friert die Zeit bei jeder manuellen Eingabe automatisch ein, optional umstellbar, wodurch man sich jederzeit eine Pause gönnen, überlegen und umsehen kann, sollte man den Überblick verlieren, denn im Vergleich zu Spielen wie Final Fantasy XIV lässt sich hier die Kamera nicht zoomen, sondern lediglich frei schwenken. Zuletzt seien noch die Mysth-Techniken erwähnt, die sich bedingt oft einsetzen und miteinander durch die unterschiedlichen Charakter kombinieren lassen sowie das Rufen von Espern, die man bis zu ihrem Verschwinden nach kurzer Zeit oder einem finalen Angriff steuern kann. Diese muss man allerdings zunächst einmal selber bezwungen haben, hier wird einem also nichts geschenkt.

Fazit

Ich erlebte FFXII damals zunächst nur durch den bereits grandiosen Originalsoundtrack, der meine Fantasie sehr anregte, wobei mich das Spiel aber auch später nicht enttäuschte. Zurückblickend zeigte es mir eine sehr lebendige Welt, deren größtes Manko es für mich wohl war, dass sie dann doch wieder viel zu früh endete. Das noch in diesem Spiel steckende Potential zeigte sich mir über die Jahre auch daran, dass viele Monsterdesigns in andere hauseigene Spiele direkt übernommen wurden. Die Zodiac Age Version löst in mir eine gesunde Portion Nostalgie aus und erweitert diese mit angenehm überraschenden wie auch ernüchternden Neuerungen. Alles in allem überwiegen mir im Fazit die positiven Aspekte der neuen Version, was bei einem Remake wirklich nicht selbstverständlich ist. Einzig und allein bei Vaans neuer Sixpackoptik bin ich noch unentschlossen.

 

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Somnimon

Somnimon ist ein großer Fan des Science-Fiction- und Fantasy-Genres und konsumiert diesbezüglich am liebsten Animes, Mangas, Zeichentrick und auch andere Serien. Neben seinem Vollzeitjob, zeichnet er freizeitmäßig gerne einzelne Artworks oder Comics, spielt Klavier, singt oder spielt Videospiele, allen voran die Reihen Final Fantasy und Kingdom Hearts. Musik ist für ihn auch sehr wichtig, speziell japanischer Rock und Pop. Neuerdings liest er aber am häufigsten freizeitmäßig Bücher vor.

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Taria
Redakteur

Ich mag Final Fantasy XII sehr gerne, es macht mir von allen FFs am meisten Spaß. Es ist zwar von der Story her nicht wirklich neu (aber welches FF ist das schon?), hat diverse Schwächen, aber es bereitet mir irgendwie Vergnügen mein Lizenzbrett zu vervollständigen.

Aki
Redakteur

Ich hab mir die Zodiac Age Version auch gekauft und spiele damit das Spiel nun zum zweiten Mal in meinem Leben. Mir ist jetzt Jahre später aufgefallen, wie sehr die Handlung Star Wars ähnelt. Soll jetzt aber nicht so schlecht klingen. Im Gegenteil: Durch sein Setting setzt es sich gut von seinem Vorgänger FF10 ab und auch von den Teilen die danach kamen. Das Kampfsystem hat mir schon früher gut gefallen aber mit dem neuen Lizenzbrett macht es noch mehr Spaß. So muss man von Anfang an mehr überlegen, wie man was angeht.
Mal sehen was ich beim zweiten Durchlauf noch so bemerken werde und was sich noch zur früheren PS2 Version getan hat.

Atticus
Redakteur

Final Fantasy XII ist nach wie vor mein Lieblingsspiel für die PS2. Damals habe ich über 200 Stunden in das Spiel investiert. Mich hat vor allem die riesige offene Welt und die Möglichkeit, die Figuren durch Lizenzen und Erfahrungspunkte peu á peu zu verbessern, gefesselt. Hinzu kommen interessante Gegner und Nebenquests (insbesondere die Mob-Jagden), die das Spiel sehr abwechslungsreich gestalten. Aber auch die eigentliche Story finde ich nicht schlecht, auch sie das Rad nicht gerade neu erfindet. In Verbindung mit den sympathischen Figuren trifft das Spiel meinen Geschmack nahezu perfekt.