Die Schöne und das Biest

Im Jahr 1991 erschien mit Die Schöne und das Biest der damals 30. Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios. 26 Jahre nach dem Disneyfilm wurde die gleichnamige Neuverfilmung im Jahr 2017 mit namhaften Schauspielern wie Emma Watson als Hauptfigur Belle veröffentlicht. Die beliebte romantische Geschichte gibt es seit dem 10. August 2017 auch als Heimkino-Version zu kaufen. Doch was bietet der Film dem geneigten Zuschauer?

 

Die eigensinnige Belle (Emma Watson) lebt in einem beschaulichen Dorf und hat einen etwas sonderlichen Erfinder zum Vater (Kevin Kline). Der Frauenschwarm Gaston (Luke Evans) würde das hübsche Mädchen zu gerne heiraten, doch es wehrt seine unliebsamen Avancen geschickt ab. Stattdessen liest Belle viel lieber Bücher aller Art. Als ihr Vater Maurice in die Gefangenschaft eines furchterregenden Biestes (Dan Stevens) gerät, opfert sie ihre Freiheit im Austausch zu dem des Erfinders. Fortan muss sie als Gefangene in dem verzauberten Schloss verweilen, doch schnell stellt sie fest, dass die Burg voller Leben ist. So können Schränke oder Kerzenständer sprechen, denn auf den Bewohnern und dem Hausherren liegt ein Fluch, der sich nur durch wahre Liebe zum Biest brechen lässt …

Eine bekannte Liebesgeschichte in neuem Gewand

Originaltitel The Beauty and the Beast
Jahr 2017
Land USA
Genre Romanze, Fantasy, Musical
Regisseur Bill Condon
Cast Belle: Emma Watson
Biest: Dan Stevens
Gaston: Luke Evans
LeFou: Josh Gad
Maurice: Kevin Kline
Laufzeit 130 Minuten
FSK

Die bekannte Geschichte um Belle und das verzauberte Biest geht auf das gleichnamige französische Volksmärchen, im Original La Belle et la Bête, zurück. Im Prinzip hat sich die Grundgeschichte nicht geändert und es gibt sehr viele Parallelen zum Zeichentrickfilm, dennoch gibt es einige Veränderungen, die das Remake vom Erstling unterscheiden. Die Ergänzungen machen sich zum Großteil wirklich gut, so wird erklärt, wieso eigentlich niemand etwas von dem Schloss weiß – eine Frage, über die sich vielleicht der ein oder andere schon Gedanken gemacht hat.
Visuell merkt man auch, dass im Jahr 2017 sehr viel möglich ist: bereits früher gab es Realverfilmungen des Märchens (jedoch nicht von Disney), aber das Biest sah dabei oft sehr gewöhnungsbedürftig und unrealistisch aus. Nun bekommt man ein glaubwürdiges, ausgereiftes Biest vorgesetzt, welches so aussieht, wie man sich die Zeichentrickversion in der Wirklichkeit vorstellt. Ebenso sieht es z.B. mit den Wölfen aus, die Belle im Wald anfallen – sie sehen echt aus, wirken bedrohlich und die Action wird überzeugend dargestellt.

Die Schöne und der Depp

Während uns Belle als taffes und kluges Mädchen präsentiert wird, das die konservative Engstirnigkeit ihres Dorfes satt hat, gibt Gaston eine typische Antagonisten-Rolle ab. Der seiner Worte nach „stärkste und männlichste Mann“ der Stadt versucht Belle mit allen Mitteln zu seiner Frau zu machen. Er geht sogar so weit, dass er ihren Vater Maurice den Wölfen ausliefert, damit er ihm nicht im Wege steht. Unterstützt wird der Macho vom amüsanten LeFou, der jedoch nicht immer mit den Ansichten seines Herren übereinstimmt. Wenn man bedenkt, in welcher Epoche die Geschichte in etwa spielt, dann zeigen sich die Köstumierungen und Einstellungen der Bürger als passend. Wenn Belle z.B. einem kleinen Mädchen das Lesen beibringen möchte, wird sie dafür stark kritisiert, da es schlimm genug sei, dass man schon eine wie Belle habe. Lediglich farbige Adelige wirken in Anbetracht der damaligen Zeit etwas unrealistisch, was aber nicht weiter tragisch ist.

Romantisch, witzig …

Neben der sich langsam anbahnenden Beziehung zwischen Belle und dem Biest bietet der Film auch einige Gags, beispielsweise als Gaston mit seinem Begleiter LeFou anreitet und die drei ihn anhimmelnden Frauen eine Ladung Dreck durch das Ausschlagen des Pferdes abbekommen. Auch der verzauberte Kerzenständer Lumière sorgt mit seinem tickenden Freund Von Unruh immer wieder für witzige Einlagen, ebenso wie die anderen in Ausstattung des Schlosses verwandelten Bewohner. Im Sinne der Romanze und des Fluches drängt jedoch die Zeit, denn das Biest muss seine wahre Liebe finden, ehe das letzte Blütenblatt der roten Rose gefallen ist. Ist dies nämlich geschehen, wird er endgültig ein Biest bleiben und das letzte Leben wird aus den ehemaligen Menschen, nun Gegenständen, weichen. Warum dieser Fluch von einer Zauberin ausgesprochen wurde, wird bereits am Anfang des Filmes erklärt: das Biest ist eigentlich ein Prinz, der früher egoistisch in Saus und Braus lebte, was dem schlechten Vorbild seines Vaters geschuldet war. Die Zauberin erteilte ihm für sein Verhalten eine Lektion, indem sie ihn in ein Biest und die Schlossbewohner in Gegenstände verwandelte.

…und musikalisch

Selbstverständlich bietet der Film auch viele Gesangseinlagen, die von den Schauspielern selbst eingesungen wurden. In der deutschen Version hören wir auch deutschsprachige Varianten der Original-Lieder, die mal besser und mal schlechter ausfallen. Am auffälligsten und am meisten im Gedächtnis bleiben dabei “Gastons Lied” und das titelgebende “Die Schöne und das Biest”. In diesem Sinne werden inhaltlich nicht nur Romantik, Witz und Action geboten, sondern auch Musical-Elemente. Zu Beginn des Filmes wird das Gehör damit fast etwas überstrapaziert, aber schnell pendelt sich ein ausgewogenes Verhältnis ein.

Die Geschichte von Die Schöne und das Biest hat mir schon immer ausgesprochen gut gefallen, bereits als kleines Kind war ich Fan der Zeichentrick-Verfilmung. Als die Neuverfilmung angekündigt wurde, war ich dementsprechend sehr aufgeregt und wurde nicht enttäuscht: Emma Watson gibt eine wundervolle Belle ab und wirkt wie auf diese Rolle zugeschnitten, so wie sie Schönheit, Intelligenz und Selbstbewusstsein darstellt. Überhaupt merkt man, dass viel Liebe in das Projekt gesteckt wurde und meiner Meinung nach hätte das Ergebnis nicht besser ausfallen können. Die Effekte sind außerordentlich gut gelungen und die Geschichte bietet weiterhin sowohl Romantik als auch Action, inklusive vieler Gesangseinlagen. Diese gefielen mir in ihrer deutschen Version leider nur bedingt, da sie den fantastischen englischen Originalen nicht einmal annährend das Wasser reichen können. Der Film präsentiert eine schöne Geschichte um die wahre Liebe, aber schafft es, nicht zu sehr in Kitsch abzudriften. Somit wirkt das Gesamtbild mit seinen Figuren stimmig und überzeugend – in jedem Falle bin ich auch mit dieser Neuverfilmung sehr zufrieden und freue mich, dass Disney damit seine neue Sparte fortführt.

Zweite Meinung:

Live Action Verfilmungen von beliebten Klassikern lassen einen oft zurecht skeptisch sein. Die Schöne und das Biest schafft es allerdings, ein stimmiges Musical zu bieten und die Magie des animierten Disneyfilmes zu vermitteln, wenngleich der 2017er Film meiner Meinung nach nicht an das Original heranreicht. Obwohl der Film dem 1991er Streifen größtenteils treu bleibt, gibt es einige Änderungen. Über die Sinnhaftigkeit mancher lässt sich streiten. Ich kann es begrüßen, dass nebenbei endlich erklärt wird, warum sich die Bewohner nicht an das Biest aka den Prinzen und sein Schloss erinnern. Auch dass Gaston Belles Vater in dieser Version ganz skrupellos fast dem Tode überlässt, lässt sich mit meinem Bild von ihm vereinbaren. Aber ist es wirklich nötig, eine ganze imaginäre “Reise” einzubauen, um die Hintergrundgeschichte zu Belles Mutter zu beleuchten? In meinen Augen nicht. Man merkt auch eine gewisse Neigung, politisch korrekt sein zu wollen. Einige Details polarisierten schon im Vorfeld und sorgten für Publicity: So ist LeFou, Gastons Sidekick, offiziell schwul in diesem Film (und somit der erste schwule Charakter Disneys). Diese Tatsache war so skandalös, dass der Film in einigen Kinos oder sogar Ländern (z.B.: Malaysien) gar nicht gezeigt werden durfte. Der eigentliche “schwule” Moment ist so kurz, dass man ihn schon verpasst, wenn man blinzelt: LeFou tanzt nämlich am Ende mit einem anderen Mann. Ob es unter den Adeligen im Frankreich des 18./19. Jahrhunderts Schwarze gab, ist wohl höchst fragwürdig. Ich bin auf jeden Fall Fan von Repräsentation in Medien, aber in diesem Film erscheint es mir teilweise ein wenig erzwungen. Dann wiederum ist dies ein Film über einen Menschen, der in ein haariges Biest verwandelt wurde, und ein Schloss voller lebendiger Möbelstücke, also muss man es mit Realismus wohl ohnehin nicht so genau nehmen… Auch Belle wird übrigens tatkräftiger dargestellt, als sie es im Original war – sie erfindet selber und versucht aktiv, aus dem Schloss zu entkommen.

Was die Musikstücke angeht, bin ich größtenteils zufrieden. Noch besser als der neue und vielgelobte Originalsong “Evermore”, gesungen von Dan Stevens als Biest, gefällt mir “Gaston”. Es handelt sich um eine sehr lebhafte Version von dem Lied, bei dem man einfach merkt, dass Luke Evans mit seinen zahlreichen Jahren an Musicalerfahrung wie geschaffen für die Rolle ist. Im starken Kontrast steht hierzu ausgerechnet Emma Watson, bei der es schwierig ist, überhaupt ihr Gesangstalent zu beurteilen, so dominant ist das Autotune bei jedem ihrer Songs (vor allem bemerkbar bei beispielsweise “Belle”) und so wenig zu hören ihre natürliche Stimme. Generell wird sich bei dem Film leider oft auf Autotune verlassen. Visuell kann ich auf jeden Fall nicht klagen und auch einige moderne Details und Witze finde ich amüsant, seien es nun kritische Kommentare des – nun sehr belesenen – Biests zu gewissen Romanzen, oder die grandiose Schneeballschlacht, oder aber auch die Frage des Biests ob Paris zu touristisch sei. Der Cast macht seinen Job gut und es ist schön, Ewan McGregor nun wieder in einem Musical zu hören, oder auch Ian McKellen als Cogsworth zu sehen. Hierbei finde ich es jedoch ein wenig schade, dass man im Vorfeld wusste, wie die beiden in ihrer menschlichen Gestalt aussehen, da so gut wie jedes Filmplakat mit ihnen warb und sie zeigte. Alles in allem bin ich relativ zufrieden mit dem Film und würde ihn Fans des Originals nahelegen, auch wenn manche Punkte wie eben der exzessive Autotune oder unnötige Änderungen ein wenig stören.

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Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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Discord
Gast
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Witzig, habe den Film erst vor ein paar Tagen gesehen. Begeistert war ich allerdings nicht sonderlich. War schon irgendwie “nett”, teils aber auch zu langatmig (ging ja auch ganze zweit Stunden ARGHLGL). Es mag daran liegen, dass ich einfach eine Schwäche für Zeichentrick habe, aber an den Original-Trickfilm kommt es bei Weitem nicht ran. Alles wirkt irgendwie so… erzwungen. Die Geschichte (bzw. deren Ergänzungen), die Romanze, die Special Effects. Als hätte man sich auf Biegen und Brechen modern und zeitgeistisch geben wollen. Urks.

Dass hier LeFou schwul ist hat mich gar nicht so gestört, aber die vergleichsweise vielen schwarzen Darsteller wirkten etwas erzwungen. War halt etwas komisch: Es waren nicht so viele, dass es normal gewirkt hätte, aber genug, dass es nach erzwungener Political Correctness aussah. Und vor allem: Keiner von denen war böse oder dumm. Aber gut, DAS ist wohl mein geringster Kritikpunkt. Aber wo wir bei böse oder dumm sind: Die Hexe, die dafür verantwortlich ist, hätte man echt verbrennen sollen, da man sie hier ja schon in die Finger bekommt. Ich mein, wie böse kann man sein das ganze Schloss inklusive armem Tassilo zu verfluchen, nur weil der Prinz (wie es sich gehört für Adelige) nicht nett war. Soviel zu Schönheit im Inneren, die sollte mal bei sich anfangen.

Ayres
Redakteur

Kann ich nachvollziehen. Wenn die Political Correctness zu drückend wirkt, hat das einen faden Beigeschmack. Zumal mittlerweile jeder Film davon betroffen ist, obwohl das gar nicht immer nötig wäre.

Iruka
Gast
Iruka

Ich bin mit Disneyfilmen aufgewachsen und “Die Schöne und das Biest” gehört mit zu meinen Lieblingen. Als nun die neue Version erschien bin ich rein… und keinen Monat später direkt noch einmal. Mir gefällt er, abgesehen von Kleinigkeiten, richtig gut. Vor allem als Belle und das Biest tanzen. Einfach nur toll. Am Erscheinungstag der Bluray habe ich nicht lange gefackelt. Sie wurde direkt gekauft und zu Hause abgespielt. Ein Kauf, der sich auf jeden Fall für mich gelohnt hat.

Prinzessin Blaubeere
Redakteur

Mir hat der Film ausnehmend gut gefallen. Ich bin immer skeptisch bei Realverfilmungen, da meistens die Grundstory komplett verändert wird und dann nur noch Bruchstücke von dem bleiben, was ich so sehr mag. Heißt nicht, dass die Filme dann schlecht wären, aber ein bisschen enttäuschend ist es schon immer, wenn Lieblingsszenen dann natürlich nicht vorkommen.
Aber hier hält man sich ja größtenteils an das Original und mit Emma Watson hat man meine Traumbesetzung für Belle gefunden. Ich liebe sie in der Rolle. Auch Gaston finde ich sehr passend besetzt. Generell hat der Film echt richtig schöne Szenen. Vor allem die Tanzszene ist super gelungen. *_*
Ich werde mir defintiv die Blue-ray holen und mir den Film auf Englisch nochmal anschauen. Das Einzige, das ich nämlich störend fand war, dass die Lippenbewegungen in der deutschen Synchro irgendwie nicht zu dem gepasst haben, was gerade gesungen wurde.