Dem Himmel entgegen

Der mit drei Bänden abgeschlossene Titel von Shiki Kawabata aus der “I Love Shojo”-Kampagne wurde von Januar bis Juli 2017 bei Tokyopop veröffentlicht. Es ist das erste Werk der Mangaka in Deutschland und gleichzeitig ihre erste Serie. Vorher zeichnete sie nur einen Einzelband wie mehrere Einzelkapitel.

 

Ayumi ist hübsch, beliebt und endlich mit ihrem Schwarm Shiro zusammen. Allerdings währt ihr Glück nicht sehr lange, ihre Klassenkameradin Zenko Umine stürzt sich vor ihren Augen vom Schuldach. Ayumi verliert beim Anblick des Selbstmordes plötzlich ihr Bewusstsein und als sie aufwacht, steckt sie auf einmal im dicken Körper ihrer unbeliebten Mitschülerin fest. Verzweifelt sucht sie Hilfe bei ihren Freunden, die sie aber nicht als Ayumi erkennen. Zenko, die jetzt in ihrem Körper steckt, will natürlich nicht zurück, da sie diesen Körpertausch ganz bewusst vollzogen hat. Ayumi muss sich nun in ihrem neuen Körper zurechtfinden, was gar nicht so einfach ist. Immerhin mag niemand Zenko, die aufgrund ihres Aussehens immer wieder beleidigt wird, sogar von ihrem Lehrer. Ayumi erkennt ebenso, dass sie Zenko vorher nie wirklich wahrgenommen hatte und schämt sich hierfür. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und ist einfach ihr aufgeschlossenes Selbst.

Schönheit kommt von innen

Originaltitel Sora wo Kakeru Yodaka
Jahr 2014
Bände 3
Autor Shiki Kawabata
Verlag Tokyopop (2017)
Genre Drama, Psychological, Supernatural

Zenko verbreitet das Gerücht, dass Ayumi sie geärgert haben soll. Kaga warnt Zenko, dass er weiß, dass sie nicht die ist, die sie zu sein vorgibt. Dadurch muss sie sich bei Ayumi für dieses “Missverständnis” entschuldigen. Allerdings bewirkt sie mit dieser Aktion, dass sie an Beliebtheit einbüßt. Denn ihr verbitterter Charakter hat sich ja nicht geändert, nur weil sie jetzt hübsch ist. Genauso wenig wie sich Ayumi innerlich verändert hat und trotz ihres unförmigen neuen Körpers eine warme Persönlichkeit ist. Auch Shiro bemerkt den Körpertausch und geht als Test mit Zenko in einen dunklen Raum. Denn Ayumi hat Angst im Dunkeln, weil sie als Kind in eine alte Kommode gesperrt war. Zenko fleht ihn an, sie nicht zu verlassen und sie bitte doch genauso zu lieben wie Ayumi. Shiro bleibt bei ihr, allerdings will er wissen, wie sie ihren Körper getauscht hat. Er erzählt Zenko, dass er am liebsten Kaga wäre, der schon immer beliebter war als er selbst. Allerdings will die falsche Ayumi es ihm nicht sagen, zu groß ist ihre Angst, dass er sie hintergeht. Doch er bekommt es später von selbst heraus und schmiedet einen Plan, wie er beide Mädchen zurücktauschen kann. Für sein Vorhaben muss er aber noch Kaga davon überzeugen, da es ohne ihn nicht geht.

Der rote Mond und das Körpertauschphänomen

Durch die Charaktere Mao Ukon und dem Wellensittich Kenzo Amagase erfahren wir mehr über den Körpertausch in dieser Geschichte. Denn beide haben ihn selbst unabhängig voneinander in der Vergangenheit vollzogen. In den meisten anderen Mangas, in dem diese Thematik im Zentrum der Geschichte steht, sind es meist dumme Zufälle (z.B. Deiner ist meiner ist deiner) oder Experimente (z.B. Dein und Mein Geheimnis). Hier geht man einen etwas anderen Weg, denn in Dem Himmel entgegen muss man vorher Selbstmord begehen und sich dabei wünschen im Körper des anderen zu sein. Die Person im gewünschten Körper muss allerdings auch den Selbstmord mit ansehen, ansonsten endet es wirklich mit dem Tod. Es ist ebenso ein interessanter Ansatz, dass man nicht wieder direkt zurücktauschen kann, wenn man sich doch umentscheidet. Versucht man es dennoch, endet es immer mit dem Tod. Als Auslöser dient hierbei der rote Mond, hier Akatsuki genannt, bei uns kennt man ihn auch unter dem Begriff Blutmond. Das Naturphänomen der Mondfinsternis diente schon lange als Grundlage für Legenden und Mythen, die auch heute noch die Fantasie der Menschen beflügeln und neue Geschichten wie diese entstehen. Auch wenn es schon sehr unrealistisch ist, dass der rote Mond so oft und so lange zu sehen ist.

“Der größte Fehler war, in diesen hässlichen Körper geboren worden zu sein”

Es ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft, dass viel zu stark auf das Äußere geachtet wird. Alles muss perfekt sein, ob in Werbung, auf dem Laufsteg oder auch in der Schule wie Berufsleben. Fällt man zu stark aus der Norm, dann reagiert die Umgebung oft mit Lästereien, die schnell als Mobbing ausgelegt werden können. In Anbetracht dessen kann man Zenkos Verbitterung als Leser sehr gut nachvollziehen, auch wenn das ihr Handeln in keinster Weise rechtfertigt. Insbesondere da Ayumi ein netter Mensch ist, der so etwas gar nicht verdient hat. Hätte sie einen schlechten Charakter gehabt, hätte man es ihr vielleicht sogar gegönnt. Aber so fühlt man als Leser mit als sie verzweifelt versucht einen Weg zurück in ihren Körper zu finden. Noch mehr als ihr gesagt wird, dass es keinen gibt und sie ihre Familie nicht mehr sehen wird. Beide Mädchen leiden auf unterschiedliche Weise und lernen durch diese Situation mehr über sich und andere.

Mir gefällt der Manga unglaublich gut und es ist ein Shoujo, der sich von der breiten Masse abhebt. Er macht sehr deutlich, dass es keine Rolle spielt, ob man besonders hübsch oder weniger schön ist, sondern wie man sich gibt und selbst mit anderen umgeht. Zenko grenzte sich aus, sie hat die ganze Zeit nicht einmal mehr versucht, sich mit anderen anzufreunden. Sie verkroch sich immer mehr, wurde dadurch regelrecht verbittert und stieß jede Freundlichkeit anderer von sich. Da ist es natürlich für sie ein Schlag ins Gesicht, als Ayumi in ihrem Körper plötzlich immer beliebter wird. Denn nach Zenkos Logik ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Das Liebesdreieck gestaltet sich ebenso ganz angenehm, aber manche Leser werden wohl mit dem Ende nicht ganz zufrieden sein. Ayumis Liebe gilt nun mal Shiro und da wäre es nicht gut, wenn sich ihre Gefühle so plötzlich ändern würden. Beide Jungs tun wirklich alles für sie und stehen auf ihre Art und Weise ihr zur Seite. Es ist zwar schade, dass Kaga am Ende leer ausgeht, aber ihm ist das Glück von Ayumi und seinem besten Freund Shiro einfach wichtiger, was auch ein sehr nobler Charakterzug ist. Was mir hingegen weniger gefällt, ist Zenkos Design. Ich verstehe, dass sie nicht hübsch sein soll und habe damit absolut kein Problem, sondern viel mehr mit ihrer Körpergröße. Wenn sie neben einem der Jungs läuft, sieht das etwas sehr merkwürdig aus, da sie diesen nur bis zur Hüfte geht. Aber insgesamt finde ich den Manga sehr überzeugend in der Darstellung.

 

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Taria

Taria arbeitet seit einigen Jahren für einen großen Automobilzulieferer in der Produktion. Abseits von der Arbeit beschäftigt sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit Manga, Animes und Videospielen, in diesen Bereichen hat sie genretechnisch einen sehr breiten Geschmack bewiesen. Weiterhin sammelt sie gerne Figuren und anderes Merchandise von den Serien Gintama und JoJo's Bizarre Adventures.

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Ayres
Redakteur

Habe mir den ersten Band durchgelesen und finde ihn ganz in Ordnung. Ab der Mitte kommt dann erfreulicherweise ein kleiner Twist, der den Plot mit mehr Substanz füttert. Hatte schon befürchtet, dass die Autorin es sich ähnlich einfach machen würde wie Ichigo Takano mit Orange, doch das ist zum Glück nicht der Fall. Bislang sind aber tatsächlich die beiden Jungs Shiro und Kaga der Lichtblick, während Ayumi und Zenko charakterlich beide so ein Extrem darstellen. Vor allem Zenko finde ich furchtbar eindimensional, hoffentlich kommt da noch mehr.
Da ich mir die Bände 2 und 3 schon gekauft habe, werden sie zeitnah gelesen.