Animagic 2017

Nachdem eine der größten Anime- und Mangaconventions 2016 ihre Zelte in Bonn aufgrund von Renovierungsarbeiten der alten Location abbauen musste, wurden sie am ersten Augustwochenende in Mannheim neu aufgeschlagen. Im Congress Center Rosengarten sollte alles größer, besser und professioneller werden. Ob das gelungen ist, haben wir ausgiebig getestet.

Um diese Frage vorab kurz und klar zu beantworten: Jain!
Der neue Veranstaltungsort ist in keiner Weise mit der in die Jahre gekommenen Beethovenhalle zu vergleichen. Moderne Ausstattung wie Aufzüge und Rolltreppen, Infobildschirme und ein deutlich größerer Eingangsbereich bieten neben dem Wasserturm und dem Friedrichsplatz, einer großzügigen Parkanlage direkt vor der Halle mit unzähligen Möglichkeiten für Fotoshoots für Cosplayer, eine fast perfekte Kulisse für eine Con dieses Kalibers. Das Congress Center selbst ist in Sichtweite des Hauptbahnhofs und in fußläufiger Umgebung befinden sich reichlich bezahlbare Unterkünfte, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und auch die Anbindung an den ÖPNV ist gegeben. Es gibt also keinen Grund zur Klage. Oder doch?
Einen gibt es sehr wohl, und der hat sich gewaschen. Die Versorgung mit Essen und Getränken innerhalb der Halle. Liest man sich die Regeln der Convention durch, fällt einem folgende Neuerung auf.

“ a) […] Bitte habt zudem Verständnis dafür, dass das Mitbringen von Speisen und Getränken auf die Veranstaltung nicht gestattet ist.

Und genau diese Regel wurde kompromisslos mit Taschenkontrollen durchgesetzt. Auf unsere Anfrage beim Hallenpersonal wurde diese Vorgehensweise mit einem Exklusivvertrag des Caterers mit der Halle selbst begründet, welcher beim Anmieten der Räumlichkeiten übernommen werden muss. Dieser habe dann bei der Veranstaltung das Recht auf eben diese Vorgehensweise zu bestehen. Ob eine so strikte Handhabe gerade bei Veranstaltungen mit einer so jungen Zielgruppe richtig ist, bleibt fraglich. Und nicht zuletzt bei den veranschlagten Preisen (0,5l Softdrink für 3,-€ plus 1,-€ Pfand, ein Burger für 6€) sucht man sich lieber Alternativen außerhalb der Halle. Etwas Positives ist jedoch auch dem Caterer abzugewinnen. Eine so hohe Qualität beim Essen und der Ausgabe, habe ich selten auf einer Con erlebt. Das Personal war extrem professionell und hat selbst zu Stoßzeiten jeden Gast binnen kürzester Zeit mit heißen und großzügigen Portionen versorgt und geschmacklich waren jedenfalls die von uns getesteten Produkte (Burger und Tortellini in Tomatensoße) um Längen besser, als das Kantinenessen, was man sonst auf solchen Veranstaltungen bekommt.

Zeitmanagement will gelernt sein

Ein weiterer Kritikpunkt kam besonders bei der Gruppenautogrammstunde der japanischen Ehrengäste zum tragen. Von den von der Orga eingelassenen Personen, die auf ein Shikishi mit Unterschriften aller ihrer Idole hofften, wurden weit mehr als ein Drittel enttäuscht. Nach einer Stunde geduldigen Wartens gingen die letzten Reihen komplett leer aus und wurden mit einem kurzen „tut uns Leid“ aus dem Raum komplimentiert. Natürlich kommt es bei einer solchen Gruppenveranstaltung immer auf das Tempo einzelner an, aber die erfahrene Orga hätte viel früher erkennen müssen, dass eine so große Zahl an Autogrammen nicht zu bewältigen war und hätte einen Teil der Wartenden früher informieren müssen. So hat man viel Zeit verschenkt.

Ein emotionaler Abschied

Nachdem mit der Getränkeregelung und dem Zeitmanagement auch schon alle negativen Aspekte des Wochenendes abgehakt sind, kommen wir ohne Umwege zu den anderen Dingen, die einen zum weinen gebracht haben. Ein letztes, gemeinsames „Leb deinen Traum“ hat bei den Fans von Ongaku no Kara mehr als nur ein paar Tränen zum Vorschein gebracht. Nach 10 Bühnenjahren hat die Band am Sonntag ihr letztes Konzert gegeben, allerdings schon in stark dezimierter Form. Lediglich Yukiya und Leon waren von der Lagerfeuerband übrig geblieben und ein Wiedersehen mit Chrisy, Remmel und Bunny blieb aus. Dafür gab es Verstärkung von den beiden Damen aus dem Showprogramm sowie Desi, einem ehemaligen Mitglied aus Anfangstagen. Und Desi war nicht zufällig da, denn gemeinsam mit Yukiya wird sie in Zukunft unter dem Namen Plan D häufiger auf Cons zu sehen sein. In wie fern die beiden ein ähnliches Programm wie ihr musikalisches Elternhaus OnK auf die Beine stellen oder etwas komplett eigenes machen, bleibt anzuwarten. Einen ersten Eindruck kann man sich aber schon mal auf www.plan-d-music.de machen!

Daijoubus Gray Man – Das angekündigte Desaster?

Die Berliner Showgruppe Daijoubu gab am Sonntag die Premiere ihres neuen Stücks „D.GRAY-MAN – DAS ‚D‘ STEHT FÜR DESASTER“ zum Besten, wobei das versprochene Desaster auf der Bühne ausblieb. Über eine Stunde zeigten die Schauspieler in immer wechselnden, zwar nicht aufwändigen aber einfallsreichen und von der Leinwand unterstützten, Kulissen eine grandiose Vorstellung. Das von einigen der Mitglieder selbst erarbeitete Stück hält nicht nur für Fans der Serie genügend Lacher bereit, auch Neulinge in diesem Franchise kommen voll auf ihre Kosten. So beschränkt man sich nicht nur auf Gags die sich auf die Vorlage beziehen, von klassischen Märchen und Sagen bis hin zu moderneren Putzgeräten wird alles parodiert, was sich verarbeiten lässt und wenn dann das Hexenhaus in Flammen steht oder der Steppenläufer über die Bühne geweht wird, lacht auch der letzte im Saal.
Es grenzt schon an Verschwendung, dass ein Spiel mit solchem Arbeitsaufwand an Kostümen, Planung und Proben in der Regel nur zwei bis drei mal gezeigt wird, bevor es dann im nächsten Jahr mit einem neuem Stück weiter geht. Wer es also auf der Animagic verpasst hat, bekommt auf der Connichi im September noch mal die Gelegenheit sich zu überzeugen, bevor es die Gruppe dann 2018 in der Welt von Fairy Tail verschlägt! Wer mehr über die Truppe erfahren will, wird auf www.daijoubu.eu und auf ihrer Facebookseite fündig.

Worum geht es? Nach dem Umzug des Hauptquartiers des Schwarzen Ordens löst der angekündigte Besuch von Oberinspektor Luberie Panik aus: Einige Erfindungen der Wissenschaftsabteilung sind nicht am neuen Standort angekommen. In seiner Not schickt Komui Lee einige Exorzisten zur Wiederbeschaffung los – lässt diese aber im Glauben, dass es sich bei den Objekten um Innocence handelt. Dies spricht sich auch bis zum Millenium-Grafen durch, welcher seinerseits die Noah losschickt, um zuerst in den Besitzt des vermeindlichen Innocence zu gelangen. Dabei geraten nicht nur die Exorzisten in arge Bedrängnis.

Bei Mozart brennt die Hütte

Ongaku no Kara war natürlich nicht der einzige Musikact auf der Animagic. Sowohl im Mozart- als auch im Musensaal jagte ein Konzert das nächste. ZWEI, die in ihrem 5. Jahr auf der Con diesmal gleich eine ganze Band mitgebracht haben, legten in gewohnt flippigem Outfit drei fulminante Auftritte hin, die sich nicht nur durch Ayumus Kletterfähigkeiten auszeichneten. Auch die Wiederholungstäter von Garnidelia waren wieder mit dabei.
Zum ersten Mal in Deutschland waren hingegen Konomi Suzuki, die den meisten wohl dank ihres No Game No Life-Openings „This Game“ bekannt sein dürfte, TRUE, die nicht nur das Ending „Ailes“ zu Maria, the virgin witch gesungen hat, sondern auch den Titelsong zur im Juli 2017 erscheinenden Kyoto-Animation-Serie Violet Evergarden beisteuern wird und DJ Kazu, einer der bekanntesten J-Pop- und Anisong-DJs in Japan. Gerade er hat bei seinen Sets die Fans begeistert.
Etwas für mich völlig Neues war das Klassikkonzert von Yuna Shinohara. Die erfahrene Violinistin diente nicht nur als Vorlage für Kaori Miyazono, die Protagonistin aus Sekunden in Moll,sondern spielte auch die Parts für Geige des Soundtracks selbst ein. Eben diese Stücke gab sie in zwei Konzerten zusammen mit einem Pianisten zum Besten, während im Hintergrund Szenen aus dem Anime gezeigt wurden.
Auf musikalischer Ebene war die Con ein voller Erfolg. Ein kleiner Wermutstropfen war die nicht ganz saubere Technik. Gerade zu Beginn der Konzerte war die Abmischung oft unsauber und Mikrofone wurden nicht rechtzeitig frei gegeben. Von einem Veranstaltungsort der Symphonieorchester beherbergt habe ich mir dies bezüglich mehr erhofft.

Ehre, wem Ehre gebührt

Neben all den Musikern darf man die anderen Ehrengäste nicht vergessen! Lynn Okamoto, der Mangaka von Elfen Lied und Brynhildr in the darkness, gab sich neben anderen Hochkarätern wie JAY (Mangaka von Sherlock), Taichi Ishidate (Regisseur von Violet Evergarden), Sumu Mitsunaka (Regisseur von Haikyu!!), Wakana Okamura (Produzentin von Haikyu!!), Kazuchika Kise (Regisseur von Ghost in the shell – Arise), Tow Ubukata (Autor von Ghost in the shell – Arise), Haruki Hayashi (Produzent von K) und Hiromichi Kanazawa (Serienregisseur von K) die… Ehre. Über die ganze Con verteilt gab es unterschiedliche Panels, Screenings und Signierstunden, bei denen man seinen Stars ganz nah kommen konnte. Und das waren noch nicht mal alle! Besonders sympathisch waren die Schwestern Gin und Ban Zarbo aus der Schweiz, die jeweils mit den ersten Bänden ihrer Mangas §Undead Messiah“ und „Kamo“ am Tokyopop-Stand nicht nur Autogramme verteilt, sondern jedem auch noch eine kleine Zeichnung angefertigt haben. Mein persönliches Highlight war aber die Accel World-Delegation die mit dem Publisher Kaze angereist war. Als Fan des Franchise konnte ich so nicht nur die Autogramme der Synchronstimmen von Kuroyukihime (Mareile Moeller) und Chiyori (Laurine Betz) sowie der Übersetzerin Diana Hesse abstauben, sondern auch noch in einem Accel World-Synchroworkshop live sehen, wie die Arbeit im Tonstudio abläuft!

Shut up and take my money!

Zu guter Letzt möchte ich noch die deutliche Verbesserung des Händler- und Ausstellerbereichs ansprechen. Einige werden sich noch an die stickige Ecke der Beethovenhalle erinnern. Damit ist es jetzt in Mannheim vorbei. Zwar ist die Shoppingarea nicht so groß wie auf der Dokomi, hier sollte aber jeder etwas nach seinem Geschmack finden.

Natürlich könnte man noch viel mehr über die Animagic 2017 schreiben und ich bin mir sicher, dass ich den ein oder anderen eurer Lieblingsbereiche nicht berücksichtigt habe. Trotzdem hoffe ich, dass ihr Lust bekommen habt, denn die Karten für 2018 sind bereits im Vorverkauf erhältlich!

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Mondlied

Mondlied ist ein Jäger und Sammler von allem, was ihm gefällt. Mangas, Animes, Games, Bücher, Merchandise… Nichts ist vor ihm sicher. Unermüdlich schleift er Frau und Kind über die Conventions des Landes, um diese Leidenschaft zu befriedigen. Sollte dann zwischen Arbeit, Familie und Sucht noch Zeit sein, kümmert er sich als Hobbyimker um seine Bienenvölker.

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Kyanna
Gast

Ich kann bestätigen, dass die Animagic in Mannheim echt gelungen war ^^

Lenia
Gast

Ich bin sehr begeistert von deiner Kritik der Ani gegenüber! ich kann dir nur beipflichten.
Zudem möchte ich mich sehr bedanken für die Kritik Daijoubu gegenüber! Bin sehr glücklich das dir unser Stück zugesagt hat <3

Wolfapo
Redakteur

Schön, dich hier zu sehen, Lenia! Ich freu mich schon auf die Connichi. Dann hab ich auch die Chance, das Stück mir anzuschauen!

Axel Daval
Gast

Hi,
So viele neue Events in Mannheim dieses Jahr.
Wie kann. Man mir helfen, um ein League of Legends streaming bar geoffnen? Oder konvertieren…
Danke,

Thadir
Gast

Danke makes me consider going to Animagic next year.