40 Jahre Saturday Night Fever

Vor 40 Jahren begeisterte ein junger Mann alle Kinogänger. Disco lebte wieder auf, es gab extra Tanzkurse zum Film und jeder wollte so sein wie er: John Travolta alias Tony Manero.Dieser Film sollte ein Grabgesang auf die Disco-Ära sein, doch anstatt sie zu beerdigen, erweckte er sie zum Leben.
Die Rede ist von Saturday Night Fever, dem Tanzfilm schlechthin.

Unter der Woche ist er nur ein unbedeutendes Licht in einem Baumarkt. Aber Samstagnacht ist er der König der Tanzfläche: Tony Manero zieht mit seinen Freunden Gus, Double J und Bobby C durch die Disco. Immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer – meist Mädchen. Mit seiner Tanzpartnerin Annette bringt er die Disco zum Kochen, doch für einen wichtigen Tanzwettbewerb sucht er sich eine Neue: Stephanie. Sie fasziniert ihn immer mehr, da sie älter und auch reifer als er ist. Wie kam es zu diesem Film und dem daraus resultierenden Disco-Hype? Angefangen hat es mit einem Artikel, den Nik Cohn unter dem Titel “Tribal Rites of the New Saturday Night” im New York Magazine veröffentlichte. Darin ging es um den Tänzer Vic, der von einem Disco-Besitzer sogar Geld dafür bekam, wenn er tanzte. In den 90ern erklärte Cohn, dass dieser Artikel Fiktion war, vor allem der Tänzer Vic entsprang komplett seiner Phantasie. Damals wusste man dies noch nicht und Norman Wexler tat sein Bestes, um den Artikel in ein Drehbuch umzuschreiben. Was auch gelang.

Ein Junge lernt tanzen

Der (bei Erwachsenen) unbekannte Travolta in seiner ersten Hauptrolle. Spielte er zuvor nur kleinere Rollen, landete er erste Erfolge mit einer Serienrolle in Welcome Back, Kotter. Schnell wurde er ein Teenie-Schwarm, aber ein Charakterdarsteller? Kritiker zweifelten, doch Travolta belehrte sie eines Besseren.
Monate vor Drehbeginn begann er schon mit dem Tanztraining, nur um am Ende fast seiner berühmtesten Szene beraubt zu werden. Der Verantwortliche für den Schnitt, David Rawlins, hielt die Szene, in der Tony die Disco aufheizt, für überflüssig und schnitt sie heraus. Übrig blieb eine Totale auf Tonys Gesicht. Travolta war am Boden zerstört und rief umgehend den Produzenten Robert Stigwood an, der ihm erlaubte, die Szene so zu schneiden, wie er es für richtig hielte. Er wisse schon, auf was es ankommt. Kompliment, einem Jungschauspieler gleich den Schneideraum zur Verfügung zu stellen. Zwar nur für diese Szene, aber trotzdem. Travolta nahm das Angebot gerne an, weniger aus Eitelkeit, wie er erklärte, sondern weil er sah wie 9 Monate harter Arbeit den Bach runter gingen. Denn es wurde nicht gedoubled bis auf eine kleine Szene in der Anfangssequenz, als er seinen Schuh mit dem im Schaufenster vergleicht; sie wurde nicht von ihm gespielt.
Bei seinem Charakter Tony schwanken die Gefühle des Zuschauers zwischen Neid und Verachtung. Neid, weil er tanzen kann wie ein junger Gott, und Verachtung, weil er ein rassistischer, sexistischer Arsch ist. Doch seinen Charakter nur darauf zu beschränken, wäre falsch, er ist sehr komplex. So ist er zwar ein starker Anführer, aber auch verletzlich. Kurz nachdem er am Esstisch seine Mutter anfährt, woraufhin sie in Tränen ausbricht, entschuldigt er sich bei ihr und beginnt ebenfalls zu weinen. Es sind diese kleinen Facetten, die ihn zu einem Ganzen machen: einem Menschen. Er beginnt immer mehr an sich, seinen Freunden und seinem Leben zu zweifeln. Ausgelöst wird dies durch die umstrittene Siegerehrung beim Tanzwettbewerb. Die Jury urteilt rassistisch, indem Tony und Stephanie gewinnen, das puerto-ricanische Paar, das viel besser tanzte, aber verliert. Tonys Freunden ist das egal, was ihn noch mehr aufregt und er gibt seinen Preis den eigentlichen Gewinnern. Jedoch ist dies nicht der einzige Grund. Während einer Prügelei flieht Tonys Kamerad und die Jungs müssen später feststellen, dass ihr Kumpel sich wohl geirrt hat bei der Täterbeschreibung (er selbst wurde vorher angegriffen).

Drama…

Seine Zweifel werden gut mit der U-Bahn-Szene dargestellt. Tony fährt bis zum Morgen U-Bahn – ohne Ziel. Und wirkt so dermaßen deplatziert in einem Graffiti-besprühten Abteil mit seinem weißen Anzug und auf Hochglanz polierten Schuhen.  Es braucht lange, den Protagonisten zu mögen. Richtige Sympathie will einfach nicht aufkommen, aber er ist jemand, der es nicht leicht hat in seinem Leben. Ein schlecht bezahlter Job, eine Familie, die ihn nicht wirklich unterstützt, sondern ihn als Versager sieht; für die Gesellschaft ist er ein schnoddriger Niemand aus Brooklyn, er selbst träumt von einem besseren Leben. Jedoch ist er nicht auf der Suche nach der großen Liebe oder einem Sinn. Das kommt erst später. Für ihn gibt es zwei Arten von Männern – die Coolen (also seine Clique) und die Idioten. Vor Frauen hat er keine Achtung. Er schläft mit ihnen und mit ein paar Wenigen tanzt er.

Warum denken die Frauen, dass sie mit einem tanzen können, nur weil man mit ihnen geschlafen hat? (Tony Manero)

Passend dazu ist die Szene im Director’s Cut, als die Jungs im Auto fahren und meinen, dass im Endeffekt jeder für sich alleine kämpft. Daraufhin steigt Tony aus dem Wagen und steht alleine da, da die Clique ohne ihn weiterfährt. Auch die Beinahe-Vergewaltigung von Stephanie zeugt von seiner Unreife. Bisher fielen ihm die Frauen an den Hals und er wundert sich, dass Steph es nicht tut. Aber anstatt mit ihr zu reden und ihr seine Gefühle zu erklären, nimmt er sich, was er will.

Schaut man sich Tonys Elternhaus und seine Umgebung an, wundert es hingegen kaum, dass er so ist wie er ist. Wo hätte er es lernen sollen? Von seinem Chef, der ihn ausbeutet? Von seinem Vater, der seine schlechte Laune wegen seiner Arbeitslosigkeit an ihm auslässt? Oder von seinen Freunden, die jede Frau als Schlampe sehen und nur an Party und Sex denken?
Den sowohl aggressiven als auch verletzlichen Tony zu spielen, dürfte Travolta im Laufe der Dreharbeiten nicht schwer gefallen sein, denn seine damalige Freundin Diana Hyland erkrankte an Krebs und starb kurz darauf. Er überlegte, ob er abbrechen solle, aber Hyland hatte ihn ermutigt, diese Rolle anzunehmen, weshalb er weitermachte. Travolta beschrieb diese Zeit in etwa so: “Tagsüber arbeiten, nachts sich in den Schlaf weinen und träumen. Ich träumte viel in dieser Zeit.”

…auch hinter den Kulissen

Originaltitel Saturday Night Fever
Erscheinungsjahr 1977
Land USA
Genre Musikfilm, Drama
Regisseur John Badham
Cast Tony Manero: John Travolta
Stephanie: Karen Lynn Gorney
Bobby C.: Barry Miller
Joey: Joseph Cali
Double J: Paul Pape
Annette: Donna Pescow
Gus: Bruce Ornstein
Laufzeit 118 Minuten
FSK

Aber auch andere Komplikationen erschwerten den Dreh. Zum einen stand die Drehleitung unter enormem Zeitdruck und zum anderen fand die Presse – und dadurch logischerweise die Fans – heraus, dass Travolta drehte, und wo die Arbeiten stattfanden. Die Straßen Brooklyns waren überfüllt von kreischenden Mädels, die “ihren” Star bewundern wollten. Man brauchte Polizeiabsperrungen und einige Tricks, um sie loszuwerden. So gab man zum Beispiel gefälschte Drehpläne heraus, die die Fans natürlich gierig aufsammelten und zum gegebenen Zeitpunkt an der bestimmten Straßenecke lauerten – nur drehte man ganz woanders. Zeit und Ort stimmten nicht, man war einen Großteil der Fans los.
Die Fans waren weg (man verlagerte auch einige Drehorte nach New York City), dafür kam die Mafia. Ob Schutzgeldzahlungen erfolgten, ist nicht klar (man liest oft von “versuchten Schutzgelderpressungen”), aber Fakt ist, dass sie es ernst meinten, denn die Disco, in der gedreht wurde – das Odyssey 2001 – wurde Opfer eines Brandbombenanschlags. Als wäre das nicht genug, regten sich auch einige Juden (genauer Hasidic Jews) auf und wollten die Crew vom Drehen abhalten, da sie gar nicht erbaut darüber waren, dass in ihrer Nachbarschaft gedreht wurde.
Aber so ein Filmdreh kann auch lukrativ sein. Geschickte Schleichwerbung zahlt sich aus. Dafür, dass Badham ein Kondom der Marke “Trojan” im Film platzierte, schenkte ihm die Firma einen Lebensvorrat. Travolta brachte keine Werbeartikel unter, sondern gleich seine Familie: Seine Mutter bekommt am Anfang den Farbeimer verkauft, seine Schwester spielt eine Bedienung.

Die richtige Partnerin

Tonys Tanzpartnerin Annette wird von Pescow verkörpert, die für die Rolle hart kämpfen musste. Sie war den Produzenten zu schön, weshalb sie sich 20 Pfund anfutterte und ihren Brooklyn-Akzent wieder herauskramte. Annette ist Tony hoffnungslos verfallen, doch er sieht in ihr nur eine Tanzpartnerin. Vielleicht ist sie auch zu langweilig für Tony, weil sie den Boden anbetet auf dem er schreitet. Sie würde alles für ihn tun, ihm nie widersprechen, sie ist quasi sein größter Fan. Ganz anders Stephanie, die nur mit ihm tanzen will und ihn als Kind sieht. Schule? Zukunftspläne? Interessiert ihn nicht. Sie hingegen schon, sie hat konkrete Pläne. Im Gespräch für die Rolle der Steph waren unter anderem auch Carrie Fisher (Star Wars, 1977) und Jessica Lange (American Horror Story, 2011).

Musik, Regie…

Die Tanzszenen sind beeindruckend. Dynamisch, mitreißend, klasse choreografiert. Der Kamera gebührt viel Dank dafür, Ralf D. Bode versteht sein Handwerk. Das Soundtrack-Album der Bee Gees verkaufte sich über 20 Millionen Mal und war das erfolgreichste Album der Musik-Geschichte – bis sechs Jahre später ein gewisser Michael Jackson mit seinem Album Thriller den Rekord brach.
Eigentlich sollte der Film nur “Saturday Night” heißen, aber nachdem der Soundtrack “Saturday Night Fever” hieß, ergänzte man das “Fever” kurzerhand.
Und was machte die Tanzszenen so berühmt? Richtig, der weiße Anzug. Eigentlich sollte er ja schwarz sein, zumindest wollte Travolta das, aber man erklärte ihm, dass man ihn schlechter sehen würde in der abgedunkelten Disco. Der Anzug wurde Jahre später auf einer Wohltätigkeitsauktion für 145.000 $ von dem Filmkritiker Gene Siskel ersteigert.

“Du bist für den Oscar nominiert – aber nicht bei diesem Film.” Mit diesen Worten wurde der erste Regisseur liebevoll vor die Tür gesetzt. Nicht ganz ohne Grund, hatte John G. Avildsen doch Tonys Charakter komplett umgeschrieben. In seiner Version sollte er ein braver, lieber Junge sein, der alles für seine Nachbarschaft tut. Travolta meinte, das sei aber nicht die Rolle für die er den Vertrag unterzeichnete, und da auch anderen die Änderung nicht gefiel, musste Avildsen wohl oder übel gehen. Aber er landete mit seinem anderen Film Rocky einen großen Erfolg. Eine kleine Andeutung gab es auch in Tonys Zimmer: Dort hing ein Poster von Rocky. Und wer war der Regisseur von dem eher schlechten Sequel Stayin’ Alive? Kein geringerer als Sylvester Stallone. Somit schließt sich der Kreis. Pescows Schock und der Satz “You F*ckers!”, nachdem Tony und seine Kumpel von der Brücke fielen, stand so nicht im Drehbuch; man verschwieg ihr schlichtweg die Tatsache, dass die Jungs sicher auf einer Plattform landeten.

… und Action!

Am 16. Dezember 1977 war es dann soweit: Saturday Night Fever lief in den Kinos an und erzielte allein am Eröffnungswochenende knapp 3,9 Millionen US-Dollar. Weltweit spielte der Film etwas mehr als 237 Millionen $ ein. Am 13. April 1978 durften auch die deutschen Filmfreunde in den Genuss kommen. Und eine kleine technische Revolution bzw. Neuerung hielt Einzug in die Filmbranche. Die sogenannte “Steadicam”, ein Schwebestativ zur Stabilisierung der Kamera. Erfunden wurde sie von Garrett Brown, der dafür 1978 sogar einen Oscar erhielt. Was zeichnet den Streifen also aus? Wir haben eine unsympathische Hauptfigur, gute Musik und klasse Tanzeinlagen, aber was noch? Hier muss man sich die Situation in den USA vor Augen führen. Der Vietnam-Krieg war endlich vorbei, die Hippies zogen sich langsam zurück und Ernüchterung machte sich breit. Man war sehr negativ gegenüber Discos eingestellt, und das ist noch höflich formuliert. Es gab Autoaufkleber “Disco sucks” oder “Death to Disco”, man verbrannte öffentlich LPs mit Disco-Musik. Dieser Film sollte ein Beitrag über ein sterbendes Medium sein – und läutete dessen Renaissance ein. War Disco als schwarz und homosexuell verrufen und ein Untergrund-Medium, wollte plötzlich jeder wie Travolta tanzen können. Tanzschulen boten Sonderkurse an, Discomusik stürmte die Charts. Und Deutschland? Wir hatten den Deutschen Herbst, die Ölkrise; man suchte Ablenkung, Spaß und vor allem: eine Identifikationsfigur. Und die wurde mit Tony Manero geliefert. Wer war noch nie perspektivlos oder fühlte sich als Niemand in einer großen Menge? Und wer möchte nicht auch einmal nur bejubelt werden?

Parallelen

Man kann und darf den Film nicht nur aufs Tanzen beschränken, denn er ist mehr. Saturday Night Fever ist das Portrait einer Jugend, die auf der Suche nach sich selbst ist. Sie leben nur für eins: für Samstagnacht. Deshalb auch der Alternativ-Titel in Deutschland Nur Samstag Nacht. Mittlerweile wird der Film aber als Saturday Night Fever geführt. 2002 kam es zu einer Neu-Synchronisierung und der Titeländerung. Hier wird nichts geschönt dargestellt, die jungen Leute im Film ähneln der heutigen Partygeneration stark: Alkohol, Drogen, Sex, Prügeleien. Beim Tanzen bin ich mir nicht so sicher, denn ich habe in einer Disco noch niemanden so tanzen gesehen wie Travolta. Wer “die guten alten Zeiten” in den Himmel lobt, sollte sich diesen Film ansehen.

Rassistische Bemerkungen der Jugendlichen sind an der Tagesordnung, ebenso wie die Jagd nach willigen Weibchen. Hier merkt man deutlich, dass AIDS noch kein Begriff war zu der Zeit. Konsequenzenlos geht so etwas aber nicht immer vonstatten, denn Bobby Cs Flamme wird schwanger und will, dass er sie heiratet. Dessen Familie denkt genauso, nur er möchte das Leben weiter genießen und bittet sie um eine Abtreibung.
Die Samstage werden also nicht nur als unbeschwerte Partytage gezeigt. Nach und nach “verscherzen” es sich die Jungs mit dem Zuschauer. Es folgt eine langsame Steigerung: Sind es am Anfang nur Bemerkungen, folgen Taten. Die Grenze wird wohl bei Annettes Vergewaltigung überschritten. Tony greift nicht ein als zwei seiner Kumpel über Anette herfallen, sondern meint am Ende noch zu ihr: “Jetzt bist du eine richtige Schlampe.” (Der Originalton ist etwas drastischer, man ersetze “Schlampe” durch F*tze.)
Wegen dieser Szene geriet der Film auch in die Kritik, da sie “sehr verharmlosend” dargestellt sei. Vermutlich, weil Anette kurz darauf sich wieder normal gibt und kein böses Wort über die Kerle verliert. Tony selbst ist auch nicht ganz unschuldig, versucht er vorher doch Stephanie zu vergewaltigen, die sich aber zur Wehr setzen kann.

Drama, Musical, Komödie?

Obwohl der Film einige komische Elemente beinhaltet, ist er von einer Komödie weit entfernt. Es mag komisch wirken, wenn Tony am Esstisch mit einer Art Friseurumhang sitzt, um sein Hemd nicht zu beschmutzen, oder der Vater ihm eine auf den Kopf gibt, Tony aber nicht wütend darüber ist, dass er geschlagen wurde, sondern dass seine Frisur für die er knapp zwei Stunden gebraucht hat, nicht mehr sitzt. Diese Reaktion stand so nicht im Drehbuch, es war Travoltas wirkliche Reaktion, da sein Schauspielvater etwas zu hart zuschlug (und wer Travoltas Haare in Natura kennt, kann sich denken, dass er wirklich ewig mit Föhnen zugebracht haben muss).
Wo viele Musikfilme eine seichte Rahmenhandlung besitzen, um den Übergang von einem Lied zum nächsten zu schaffen, bietet dieser Film hier ein ausgewachsenes und erwachsenes Drama. Trotz der milden Freigabe ab 12 Jahren, sollten sich jüngere Zuschauer den Film nicht alleine anschauen. Vieles kann falsch verstanden bzw. gar nicht verstanden werden. Vor seiner Neuprüfung hatte der Film, verständlicherweise, eine 16er Freigabe. Das Ende erscheint hier im Text zwar als “erzwungenes Happy End”, ist im Film aber glaubhaft dargestellt: Tony geht zu Steph und entschuldigt sich bei ihr. Er erzählt ihr von seinen Plänen, ein neues Leben anzufangen in Manhattan, weg von seinen Freunden und seiner Familie. Und er fragt sie, ob sie nochmal neu anfangen könnten als Freunde.

Saturday Night Fever war ein Renner in den Kinos, aber man wollte das Publikum erweitern oder schlicht die Einnahmen erhöhen. Deshalb wurde eine zweite Fassung herausgebracht, damit nun auch Kinder den Streifen genießen konnten. Zuerst kam 1978 eine Neufassung heraus, die um 6 Minuten gekürzt wurde, knapp zehn Jahre später wurde die Altersfreigabe weiter herabgestuft. Neben Abwandlungen von Schimpfworten, kam es auch zu Szenenänderungen, so wurden zum Beispiel einige Stripperinnen herausgeschnitten oder anderes Material verwendet, damit Dialogkürzungen nicht auffielen. Einige Szenen wurden auch komplett entfernt, was zu Lasten der Geschichte geht. Die versuchte und die tatsächliche Vergewaltigung wurden herausgeschnitten.

In Deutschland dürfte das niemanden gestört haben, denn hier fielen keine Schnitte an. Wer sich über die genauen Schnitte informieren möchte, kann dies auf Schnittberichte tun. In den USA ist der Director’s Cut erschienen, der den Film um drei gute Szenen erweitert:

Szene 1: Tony steigt aus dem Wagen, nachdem sein Kumpel meinte, dass am Ende jeder für sich alleine kämpft.
Szene 2: Tonys Vater erhält seinen Job zurück, verlangt von Tony aber, dass er weiterhin von seinem Lohn in die Familienkasse einzahlt.
Szene 3: Tony diskutiert über die Türsprechanlage mit Stephanie.

Was Änderungen angeht, betrifft dies die Synchronisation:
Es gibt zwei Fassungen, da die ursprüngliche Synchro nicht Dolby-Digital-5.1-fähig ist. Nur manche Original-Sprecher blieben in der Neufassung dabei, darunter die Stimmen von John Travolta (Thomas Danneberg), Pete (Klaus Jepsen) und Dan Fusco (Friedrich Georg Beckhaus).

Die Hauptdarsteller singen zwar nicht persönlich, dennoch kann man sagen, dass es sich hierbei um ein Musical handelt. 1998 wurde in London das erste “richtige” Musical zum Film aufgeführt, das ein Jahr später nach Deutschland kam. Zum Abschluss noch eine traurige Nachricht an alle, die die blinkenden Wände und Böden in der Disco “Odyssey 2001” bewunderten – das waren Trickeffekte. Der Film mag nicht zeitlos sein – denn Mode, das Tanzen und die Musik spielen doch eine große Rolle – dafür ist er eines: ein Zeitdokument.

Auszeichnungen

Jahr Preis Kategorie Preisträger
1977 National Board of Review (NBR Award) Top 10 Filme Satuday Night Fever
1977 National Board of Review (NBR Award) Bester Schauspieler John Travolta
1977 National Society of Film Critics Awards (NSFC Award) Bester Schauspieler John Travolta
1977 New York Film Critics Circle Awards (NYFCC Award) Dritter Platz – Beste Nebendarstellerin Donna Pescow
1977 New York Film Critics Circle Awards (NYFCC Award) Dritter Platz – Bester Schauspieler John Travolta
1978 Goldene Leinwand
1979 Grammy Awards (Grammy) Bestes Album des Jahres The Bee Gees (Komponist), Arif Mardin (Produzent)
2010 National Film Preservation Board (National Film Registry)
Nominierungen

Jahr Preis Kategorie Preisträger
1978 Academy Awards (Oscar) Bester Hauptdarsteller John Travolta
1978 Golden Globe Bester Film, Kategorie Musical/Komödie Saturday Night Fever
1978 Golden Globe Bester Schauspieler, Kategorie Musical/Komödie John Travolta
1978 Golden Globe Bester Original-Soundtrack im Film Barry Gibb, Maurice Gibb, Robin Gibb, David Shire
1978 Golden Globe Bester Original-Song im Film Barry Gibb, Maurice Gibb, Robin Gibb (für “How Deep is Your Love”)
1978 Writers Guild of America (WGA Award) Bestes Drama geschrieben direkt für einen Film Norman Wexler
1979 Anthony Asquith Award für Filmmusik Barry Gibb, Maurice Gibb, Robin Gibb
1979 BAFTA Award Bester Sound Michael Colgan, Les Lazarowitz, John Wilkinson, Robert W. Glass Jr., John T. Reitz
2003 DVD Exclusive Award (DVD Premiere Award) Bester Audio-Kommentar John Badham (für die 25. Jubiläum Edition)

KilroyMan muss Tony Manero nicht mögen, um diesen Film gut zu finden.
Man muss auch Disco-Musik nicht gut finden, obwohl dies von Vorteil wäre.
Der Film dreht sich nicht primär ums Tanzen, sondern um folgende Fragen:
Wie waren die 70er in amerikanischen Großstädten?
Wie war das Discofieber?
Natürlich kann der Film nicht stellvertretend für alle Party-begeisterten Jugendlichen stehen, aber er gibt uns einen guten Einblick in die Szene.
Die Mode wirkt antiquiert, die Musik ist ebenfalls nicht wirklich aktuell, aber unterscheidet sich das Partyverhalten damaliger Jugendlicher wirklich so sehr von dem der heutigen Generation?
Damit möchte ich nicht sagen, dass alle Partygänger exzessiv Alkohol oder Drogen konsumieren.
Aber wahrscheinlich leben fast alle Partygänger nur für Eines: nur für Samstag Nacht.

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Kilroy

Kilroy wäre gerne Mikrochirurg geworden, musste diesen Traum aber aufgeben. Nun ist er voll von unnützem Halbwissen und weiß nicht, wohin damit. Kilroy schreibt auch gerne, weshalb er sich hier austoben darf. Da er davon aber nicht leben kann, geht er auch noch einer bescheidenen Arbeit nach. Wenn er nicht gerade schreibt oder arbeitet, spielt er am PC oder verschlingt Unmengen an Büchern und Comics.

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chianna
Redakteur

Nein, eine Komödie ist dieser Film sicher nicht, dafür dicht gepackt mit dem Lebensgefühl einer Jugend, die nicht weiß, wohin ihr Weg sie führt, und Kritik an der Gesellschaft, die es nicht schafft, dieser Jugend eine Zukunft zu bieten. Man merkt dem Film sicherlich seine vierzig Jahre an, die Dialoge würden heute nicht mehr so geschrieben werden, aber an Aktualität hat er deswegen dennoch nicht verloren. Und die Tanzszenen sind immer noch grandios.